Titelaufnahme

Titel
Das Wiener Terrassenhaus : Entwicklungsphasen und Aktualität eines historischen Wohntypus mit Fokus auf den lokalspezifischen architektonischen Diskurs / von Lorenzo De Chiffre
Weitere Titel
The Viennese Terrassenhaus
Verfasser / Verfasserin De Chiffre, Lorenzo
Begutachter / BegutachterinStaufer, Astrid
ErschienenWien, 2016
Umfang303 Blätter : Illustrationen, Karten, Pläne
HochschulschriftTechnische Universität Wien, Dissertation, 2016
Anmerkung
Zusammenfassung in englischer Sprache
Abweichender Titel nach Übersetzung der Verfasserin/des Verfassers
SpracheDeutsch
DokumenttypDissertation
Schlagwörter (DE)Terrassenhaus / Stufenbau / städtischer wohnbau
Schlagwörter (EN)Terrassenhaus / Stepped housing / Urban housing
URNurn:nbn:at:at-ubtuw:1-106575 Persistent Identifier (URN)
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Das Wiener Terrassenhaus [2.05 mb]
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Zusammenfassung (Deutsch)

Das Wiener Terrassenhaus - Entwicklungsphasen und Aktualität eines historischen Wohntypus mit Fokus auf den lokalspezifischen architektonischen Diskurs Diese Studie behandelt das Terrassenhaus als städtische Wohnform mit besonderem Fokus auf seine Präsenz im Wiener Wohnbaudiskurs. In diesem Zusammenhang wird die spezifische Bezeichnung Wiener Terrassenhaus vorgeschlagen. Es handelt sich um einen Gebäudetypus, der als abstraktes und nutzungsbezogenes Konzept und gleichzeitig auch als konkrete Formgestalt mit entsprechendem Ausdruck als Doppelbegriff zu sehen ist. Über das 20. Jahrhundert hinweg hat der Gebäudetypus wiederholt im lokalen Wohnbaudiskurs seine Präsenz gezeigt und über diese Zeitspange betrachtet wird eine Entwicklung des Konzepts erkennbar, die im Gegensatz zu bisherigen Auffassungen ein differenziertes Bild von Entwurfslösungen darstellt. Die Ursprünge des Wiener Terrassenhauses gehen auf nicht realisierte Entwürfe von Adolf Loos zurück, die als Gegenvorschläge zum offiziellen Gemeindehof entwickelt wurden. Vor allem das Terrassenhaus für die Inzersdorfer Straße (1923) hat einen nachweisbaren Einfluss auf spätere Projekte ausgeübt. Dieses Projekt ist eng mit dem Siedlungskonzept verwandt, das Adolf Loos in den Jahren nach dem ersten Weltkrieg entwickelte. Gleichzeitig folgt es auch seiner persönlichen Entwurfssprache und Bestrebung das Alltägliche und das Monumentale zu vereinigen. Die spätere Entwicklung des Wiener Terrassenhauses lässt sich in Bezug zum Gegensatzpaar Stadterweiterung und Stadterneuerung, einer der Hauptthemen des Wohnbaudiskurses der Nachkriegsjahre, verstehen. In diesem Zusammenhang wird mit der vorliegenden Arbeit das Dreischrittschema These, Antithese und Synthese als interpretativer Rahmen für die Entfaltung des Gebäudeprinzips vorgeschlagen. Somit wird angenommen, dass das Terrassenhaus zuerst Mitte der 1960er Jahre mit dem von der Arbeitsgruppe 4 erstellten Konzept Wohnberge (1964) am Stadtrand als 'These' auftritt. Die Blütezeit des Terrassenhauses als Grundelement für Stadterweiterung wurde von der wegweisenden generationsübergreifenden Ausstellung Neue städtische Wohnformen (1967) markiert. Hier lässt sich feststellen, dass einerseits pragmatische kleine Terrassenhäuser und andererseits utopisch anmutende Großwohnkomplexe dadurch ein gegenseitiges Verhältnis von Legitimierung bildeten, dass die kleinen Bauten wie Modelle für die großen Bebauungen gesehen wurden. Als 'Antithese' zu diesen Entwürfen für die Stadtperipherie werden Entwürfe für innerstädtische Terrassenhäuser angeführt, die als grüne Täler bezeichnet werden: Das wenig bekannte Projekt Stadterneuerung Schottenfeld (1966-1971) von Hermann Czech, das früh den Fokus zurück zur Stadt lenkte, und die international anerkannte Wohnanlage Wohnen Morgen von Wilhelm Holzbauer (1974-1980) werden als wichtigste Beispiele diskutiert. Es wird in diesem Zusammenhang argumentiert, dass das realisierte Projekt von Holzbauer weitgehend städtebauliche Aspekte umsetzte, die bereits im früheren Projekt von Czech formuliert waren. In der Mehrzahl der Terrassenhausprojekte aus dieser Zeit fließen internationale Impulse gemeinsam mit dem lokalhistorischen Erbe von vor allem dem Loos-schen Terrassenhaus zusammen. Ab Anfang der 1970er Jahre entwickelte Harry Glück, der im bisherigen Diskurs über das Terrassenhaus nicht teilgenommen hatte, ein stringentes, konstruktiv und bauwirtschaftlich optimiertes und gleichzeitig maßstabsunabhängiges Gebäudeprinzip. Diese Version des Terrassenhauses ließ sich gleichgut am Stadtrand sowie in innerstädtischer Lage anwenden und bildete eine 'Synthese' der früheren entgegengestellten Konzepte (Wohnberge und grüne Täler), die Harry Glück als gestapelte Einfamilienhäuser bezeichnete. Diese Wohnbauten, die eine auffallend hohe Akzeptanz der Bewohner aufweisen und in der Zwischenzeit beinahe Synonym für das Wiener Terrassenhaus geworden sind, wurden unter besonderen politischen und finanziellen Rahmenbedingungen erstellt, die es schwierig macht, sie mit andere Bauten dieser Art zu vergleichen. Heute, nach mehreren Jahrzehnten geringer Beachtung erlebt das Terrassenhaus international, wie auch in Wien, ein neues Interesse als Element für städtisches Wohnen. Die vorliegende Arbeit befasst sich abschließend mit zwei gegenwärtigen Terrassenhausprojekten, nach 2010 gebaut, die jeweils eine der zwei Hauptkategorien Wohnberge und grüne Täler weiterentwickeln. Als Schlussfolgerung wird auf die Wichtigkeit der städtebaulichen Eigenschaften des Terrassenhauses aufmerksam gemacht, die beachtet werden müssen, um es zu einem wirksamen Mittel für städtisches Wohnen zu machen. Gleichzeitig wird argumentiert, dass darin die Qualität des Bautyps liegt - einerseits seine Kapazität zwischen unterschiedlichen Maßstäben zu vermitteln (Wohnberge als urbaner 'Zement') und anderseits das Vereinen von verschiedenen räumlichen Situationen zu einer zusammengesetzten Struktur (grüne Täler als 'Januskopf'). Weiters wird auf wenig verwendete Elemente aus der Entwicklungsgeschichte des Wiener Terrassenhauses, wie u.a. die Loos'schen Hochstraßen, hingewiesen, die das Potential aufweisen, einen graduierteren räumlichen Zusammenhang zwischen Wohnung und Stadt entstehen zu lassen. Begriffe: Terrassenhaus, Stufenbau, städtischer Wohnbau, Typologie, Bauform, Wohnkonzept, Bebauungsform, Städtebau Ausstellungen: Wien der Zukunft (1964), neue städtische Wohnformen (1967), integrierter Städtebau (1971), Alternativen im sozialer Wohnbau (1975) Protagonisten: Adolf Loos, Oskar Strnad, Arbeitsgruppe 4, Viktor Hufnagl, Hermann Czech, Wilhelm Holzbauer, Harry Glück, PPAG (Anna Popelka und Georg Poduschka) und ARTEC (Bettina Götz und Richard Manahl)

Zusammenfassung (Englisch)

The Viennese Terrassenhaus: Development phases and context of a historical housing type with a focus on a locally specific architectural discourse This study deals with the Terrassenhaus (stepped section building) as a building form for urban housing with a particular focus on its role in the discourse on housing in Vienna. The concept Viennese Terrassenhaus is put forward as a specific term. Defined on the one hand as an abstract housing concept, and on the other hand as a specific form, it is argued that this building type can be best understood as a binary concept. Throughout the twentieth century, the Terrassenhaus has surfaced in the Viennese discourse on housing with varying intensity. During this period, the concept has developed and, contrary to common preconceptions, offers a highly differentiated range of design solutions and ideas. The origins of the Viennese Terrassenhaus can be traced back to unrealised projects by Adolf Loos who explored buildings with stepped section as an alternative to the predominant late nineteenth century courtyard type (Gemeindehof). The design for a Terrassenhaus on Inzersdorferstraße (1923) has had a noticeable influence on later stepped section housing projects. This original concept is related to the low rise garden city developments that Adolf Loos designed shortly after the First World War. In addition, it is argued that the stepped section motif is intimately linked to the personal design language of Loos and his aim to fuse the everyday and the monumental. The later development of the Terrassenhaus can be understood in relation to the difference between Stadterweiterung and Stadterneuerung i.e. urban development on the periphery versus intra-urban renewal, which dominated the discourse on urban housing in Vienna in the decades following the Second World War. This study adopts a dialectic approach of 'thesis', 'anti-thesis' and 'synthesis' as an interpretative framework for the development of the Viennese Terrassenhaus. In the early 1960s, the Terrassenhaus appears as a strategy for the urbanisation of the city periphery in the form of the so-called Wohnberge (housing mountains) as proposed by the Arbeitsgruppe 4 (1964). The apogee of this building type was marked by a seminal exhibition, neue städtische Wohnformen (new urban forms of dwelling), organised by ÖGfA in 1967. At this point, small-scale, pragmatic Terrassenhäuser and large-scale complexes with utopian ambitions formed a reciprocal relationship of legitimization. In opposition to this thesis, two intra-urban Terrassenhaus projects, called grüne Täler (green valleys), are put forward as the anti-thesis of the Wohnberge on the urban periphery. The little-known project Stadterneuerung Schottenfeld (1966-1971) by Hermann Czech, as well as the internationally renowned housing development Wohnen Morgen (1974-1980) by Wilhelm Holzbauer, are seen as primary examples. It is argued that Holzbauer-s project was largely based on original ideas that had been developed by Czech in his earlier project. In all these proposals (Wohnberge as well as grüne Täler) the significant influence of prominent international projects is coupled with the legacy of the Viennese (particularly Loosian) Terrassenhaus. From the early 1970s, the architect Harry Glück, who had not participated in the discourse on the Terrassenhaus during the 1960s, developed an efficient building principle independent of scale. This version of the Terrassenhaus worked well in both urban conditions combining the Wohnberge and grüne Täler into a synthesis that he called gestapelte Einfamilienhäuser (stacked single family houses). These buildings by Glück, that are consistently rated highly by their inhabitants, and have since become almost synonymous with the Viennese Terrassenhaus, were realised within a uniquely favourable politico-economic framework. These particular circumstances make it difficult to compare Glück's designs with other building developments from that time. Today, after a hiatus of several decades, the Terrassenhaus concept has resurfaced internationally as well as in Vienna. This study analyses two recently-completed Terrassenhaus projects that can also be related to the key concepts of Wohnberg and grüne Täler. It concludes that in future uses of the Terrassenhaus a particular attention must be given to its contextual qualities. At the same time, it is argued that herein lies its future potential as an urban housing form: a building type which can both act as a joint between dissimilar building scales (Wohnberg as -urban cement-) and combine a wide range of different spatial conditions within a composite structure (grüne Täler as 'Janus-face'). Furthermore, some under-described aspects of the Terrassenhaus, e.g. the Loosian Hochstraße (street-in-the-sky), could inform this development by means of shifting the abrupt clash of the private and the collective realms, that characterise the Terrassenhaus in its present form, towards a more gradual relationship between the public and private domains of the city.

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