Titelaufnahme

Titel
Welcome to (r)Austria : Räume des Verbindens / von Betül Küpeli
VerfasserKüpeli, Betül
Begutachter / BegutachterinMitteregger, Mathias
ErschienenWien, 2016
Umfang220 Seiten : Illustrationen, Diagramme, Karten
HochschulschriftTechnische Universität Wien, Diplomarbeit, 2016
Anmerkung
Zusammenfassung in englischer Sprache
Titelübersetzung des Autors: WELCOME TO (R)AUSTRIA, connected spaces
SpracheDeutsch
DokumenttypDiplomarbeit
Schlagwörter (DE)Asyl / Flüchtlingspolitik / Asylwerber*innen / Erstaufnahmezentrum / Verteilerzentrum / Zwischennutzung / Notquartier / Leerstand
Schlagwörter (EN)asylum / refugee policy / asylum seekers / first entry care center / distribution centre / interim use / emergency accommodation / vacancy
URNurn:nbn:at:at-ubtuw:1-84268 Persistent Identifier (URN)
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Welcome to (r)Austria [43.36 mb]
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Zusammenfassung (Deutsch)

"NEUES SCHAFFEN HEISST WIDERSTAND LEISTEN. WIDERSTAND LEISTEN HEISST NEUES SCHAFFEN." Die internationalen Krisen und Konflikte auf der Welt haben dramatisch zugenommen. Dadurch veränderte Lebenswelten und ihre katastrophalen Auswirkungen treiben fast 51,2 Millionen Menschen weltweit in die Flucht oder "flüchtlingsähnliche" Situationen, dies entspricht ungefähr sieben Prozent der Weltbevölkerung. Am Fall von Traiskirchen, könnte man sagen, dass es sich hier um eine Art Unsichtbarmachen handelt. Auch das wird stark kritisiert und mit städtebaulichen Ansätzen entgegengewirkt. Flüchtlinge sind von Anfang an unterschiedlichen Grenzräü men ausgesetzt, angefangen von dem Fluchtweg bis zum Ankunftsort, in Erstaufnahmezentren. Nicht nur physische Grenzen, auch gesetzliche Rahmenbedingungen, bautechnische Hürden, sogenannte Integrationsmassnahmen und gesellschaftliche Exklusionen lassen unsichtbare Trennungslinien entstehen. Aus räumlicher und organisatorischer Sicht untersucht diese Arbeit Verteilerzentren in Österreich und stellt Lösungsvorschläge und Anregungen für neue Unterbringungs- und Wohnmodelle vor. Durch die komplexe Bewohnermischung werden lagerartige Architekturen abgelehnt, die bei völlig unterschiedlichen sozialen, ethnischen, religiösen und geschlechterspezifischen Bedürfnissen keine Lösungen anbieten. Die angebotenen Lebensflächen sind aus sozialer Sicht für den Alltag der ankommenden Menschen völlig ungeeignet. Zusammenhänge und Auswirkungen von Flüchtlingsströmen werden anhand von Mappings und Timelines dargestellt, die aktuelle Asypolitik und Fluchtbewegungen werden durch Diagramme gezeigt. Nach einem zweitägigen Architektur - Workshop mit unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen entstanden mehrere Architekturmodelle, die dann zu einem zusammengefügt wurden. Wie sollte ein Verteilerzentrum bzw ein Raum des Ankommens am besten ausgestattet sein, so dass sich Menschen, die nach einer langen Flucht in ihrer neuen Heimat ankommen, wohl fühlen. Dieser Workshop soll die Wichtigkeit des nicht über, sondern MITeinander reden mit den Betroffenen symbolisieren und demonstrieren. Weitere Lösungsvorschläge/Visionen und Forderungen: - Raumressourcen neu nutzen: Leerstands- und Zwischennutzungen - Freier Wohnsitz gegen die Gebietsbeschränkung* - Ausnahmeregelungen erweitern und Erleichterung der übermässig hohen Standards von bestimmten Gesetzten in der Bauordnung ... Anhand dieser Situation lassen sich gegenwärtige Probleme, wie Wachstum der Bevölkerung im städtischen Bereich, Privatisierung, vor allem im öffentlichen Raum, Prekarisierung und Hardcore-Neoliberalismus,(...) ablesen. Wohnungen werden immer mehr vom Markt bestimmt um möglichst viel daraus zu profitieren. Die Mietpreise in der Stadt steigen immer mehr an und leistbare Wohnungen werden für einkommensschwache Menschen nicht mehr zahlbar. Sie werden an die Ränder vertrieben. So auch mit den lagerartigen Erstaufnahmezentren (Verteilerzentren) für Flüchtlinge in österreich, die sich in der Peripherie befinden. Dieses Projekt versucht, im Rahmen des Zulassungsverfahrens, eine räumliche Unterbringungsstrategie für Asylwerber*innen in Österreich zu entwickeln. Anhand Wiens wird ein Forschungsszenario im Detail ausgearbeitet, das prototypisch für das gesamte Bundesgebiet seine Anwendung finden kann. Die Frage, ob eine menschenwürdige Unterbringungsstrategie während der Eingangsphase für Asylwerber*innen in der Errichtung eines differenzierten räumlichen Systems liegen kann, dass sich aus unterschiedlichen Öffentlichkeitsbezügen konstituiert, wurde bis heute noch nicht ausreichend gestellt. Trotz der Tatsache, dass es sich bei Migration vor allem um ein räumliches Phänomen handelt, gibt es in der österreichischen Politik kein adäquates räumliches Konzept zu diesem Thema. Ziel ist es, eine Raumfolge zu erhalten, die den Bewohner*innen einen idealen Einstieg in die neue Umgebung bereiten. Das Forschungsprojekt - Willkommenszentren Wien - hat sich als Ziel gesetzt eine menschenwürdige Unterbringungsstrategie für Asylwerber*innen zu entwickeln. Es handelt sich um ein Projekt, dass das Thema Asyl in Österreich aus Sicht der räumlichen Gegebenheiten betrachtet. Kritisiert wird die bestehende Politik, die Raum als wichtigen Faktor einer gelungenen Integration nicht ausreichend beachtet, und schlägt eine neue Strategie vor. Die Arbeit kritisiert die Kapitalisierung des Wohnens und Bauens, und jegliche Art von Abschottungsarchitekturen und versucht die Architektur und Stadtplanung aus einem sozialen, gesellschaftskritischen und politischen Blickwinkel zu sehen. - Welche Verantwortung tragen Architekt*innen? - Gibt es so etwas wie eine architektonische Würde? - Kann Architektur mit städtischen oder architektonischen Denkweisen die Gesellschaft verändern? - Wie kann man aus räumlicher und planerischer Sicht Kritik ausüben? - Welche Mitteln sollen/werden dafür verwendet? Architektur muss sich einmischen, um das Thema des Asyls und Migration in den Architekturdiskurs einfliessen zu lassen.

Zusammenfassung (Englisch)

NEW WELCOME CENTERS The international conflicts have increased dramatically during past years. As an impact of the unstability in the crisis areas, almost 51,2 million people worldwide (7% of the earth population) abandon their domicile in order to seek refuge. Beyond the physical borders during the journey to a safe country, asylum seekers are confronted with difficulties after their arrival. The spatial isolation embodied by the architecture and outlying location of the first entry care centers, social and legislative exclusions create invisible borders that seem to be designed to make people feel 'not welcome' in the new environment. The mechanism of the admission process unveils the high complexity of the prevailing power structures. This project lays its focus on the strategies for the accomodation for asylum seekers. Analysing the existing situation with mappings, statistics, timelines, diagramms and interviews with different acteurs, the project proposes a spatial strategy for Vienna, which can be a prototype for other cities. In spite of the fact that migration is a spatial phenomenon, there are no political concepts in Austria referring to this topic In this sense, it is essential to analyse and criticise the existing policies in order to understand the dynamics and aspects which must be re-thought from the prespective of a social architecture and urban planning. The project reflects the policy in Austria on spatial conditions and considers the issue using urban and spatial approaches. The nation-wide system, the urban context, the internal organisation and self-organisation to provide a humane accomoda tion are main areas of the research. Furthermore, a possible legislative regulation regarding the building law is proposed to enable necessary spatial adaptions. The interaction between the refugees and the admission process in the target country show us the high complexity of the prevailing power structures. Paradoxically, the self-certain life as one of the main reasons why people flee is hardly an issue in today's refugee policy. This makes the concept of self-organization all the more important, to avoid pushing them into the role of a paralyzed victim. If a decent accommodation strategy during the initial phase for asylum seekers through establishing a differentiated spatial system that may be constituted from different spaces of privacy, should be challenged. The contemporary city despite its problems (such as the impacts of hardcore neoliberalism, privatisation, population growth, unaffordable housing, peripheries which grow into ghettos etc.) provides a great potential with its infrastructure and network.