Titelaufnahme

Titel
Aural Multiplicities / von Clemens Hausch
VerfasserHausch, Clemens
Begutachter / BegutachterinLorenz, Thomas
ErschienenWien, 2015
Umfang176 Seiten : Illustrationen, Pläne
HochschulschriftTechnische Universität Wien, Diplomarbeit, 2015
Anmerkung
Text teilweise in deutscher, teilweise in englischer Sprache
Anmerkung
Parallelt. [Übers. des Autors]: - Aural Multiplicities, how sound engenders space and digital technologies transform it
Titelzusatz: Wie Schall Raum erzeugt und digitale Technologien diesen verändern
SpracheMehrsprachig
DokumenttypDiplomarbeit
Schlagwörter (DE)Raum
Schlagwörter (EN)space
URNurn:nbn:at:at-ubtuw:1-83446 Persistent Identifier (URN)
Zugriffsbeschränkung
 Das Werk ist frei verfügbar
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Aural Multiplicities [21.28 mb]
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Klassifikation
Zusammenfassung (Deutsch)

Schall ist von Natur aus ein körperliches Phänomen und somit immer räumlich. Er kann als Funktion der Veränderung der physischen Welt über die Zeit verstanden werden. Er ist also eine räumlich bestimmte, aber auch eine räumlich bestimmende Kraft: eine räumlich bestimmte Kraft, weil die physische Konstellation unserer materiellen Umgebung ihn formt und leitet; eine räumlich bestimmende Kraft weil er selbst wiederum den Zustand der Welt verändern kann: Physisch gesehen kann Schall Materie zum Schwingen bringen, also in Bewegung setzen. Psychisch gesehen kann er auf uns Menschen vielfältig Einfluss nehmen, uns leiten und unsere Handlungen beeinflussen. Er berührt uns und wir können mit ihm berühren. So stellt er eine körperliche Verbindung zu unserer Umwelt her. Diese Arbeit stellt die These auf, dass Schall selbst Raum schaffen kann. Unsere körperliche Umgebung ist eine akustische, und wir sind in ihr sowohl Sender als auch Empfänger. Es besteht also eine aurale Rückkoppelungsschleife zwischen uns und unserem Umraum. Elektronische Modifikatoren, die unsere Wahrnehmung unserer räumlichen Umgebung verändern, haben schon lange verschiedene Bereiche unserer persönlichen und sozialen Räume durchdrungen. Immersion in solch 'verformten' Raum ist aber nicht nur bedingt durch die Glaubwürdigkeit der Modifikatoren, sondern gleichermassen durch deren Kapazität auf uns zu reagieren. Wir selbst müssen Modifikator dieses veränderten Raumes werden, genauso wie wir Modifikatoren unserer physischen Welt sind. Durch die Herstellung einer Rückkoppelungsschleife zwischen uns und diesen neuen Räumen können die virtuellen Veränderungen des Raumes, die sich auf unsere Wahrnehmung beschränken, tatsächliche Veränderungen werden. Aufgrund aktueller Technologien kann anhand der Schallwellen eines Ereignisses oft nicht unterschieden werden, ob es sich um eine Simulation oder eine Aufnahme handelt, oder oder ob das Wahrgenommene auf physischen Grundlagen beruht. Ganz unabhängig von der Ursache können sie uns berühren, leiten und unsere weiteren Handlungen beeinflussen. Der Effekt ist der gleiche, und zieht emotionale, intellektuelle und letztlich physische Folgen nach sich, wenn das Individuum beginnt, sich nach dieser neuen Räumlichkeit zu verhalten. Der Raum wird erweitert und verändert. Die Unmittelbarkeit des Hörens bedingt, dass wir uns ihm nicht entziehen können. Teil 1 der schriftlichen Arbeit befasst sich mit den theoretischen Grundlagen für ein künstlerisches Projekt, das im Rahmen dieser Arbeit entstanden ist und in Teil 2 beschrieben ist. Kapitel 1.1 erklärt die physikalischen Grundlagen von Schall und die Funktionsweise räumlichen Hörens beim Menschen. Kapitel 1.2 untersucht bisherige Beschreibungen unserer akustischen Umgebung durch die Kulturwissenschaften der Sound Studies. Kapitel 1.3 führt in den Begriff der auralen Architektur ein und erläutert einerseits, wie unsere materielle Welt Schall formt und andererseits, wie Schall selbst Raum erzeugt. Kapitel 1.4 schließlich befasst sich mit dem Begriff der Virtualität und behandelt die Möglichkeiten und Konsequenzen eines elektronisch modifizierten auralen Raumes. Teil 2 beschreibt das Projekt 'Sonic Manifolds' das, aufbauend aus den Erkenntnissen aus Teil 1, den Versuch unternimmt, virtuelle aurale Räume mittels einer selbst entworfenen computergesteuerten Rauminstallation zu erzeugen. Indem eine eine Rückkopplungsschleife zwischen physischem Hier und künstlichem Dort hergestellt wird kann der virtuelle Raum ertastet werden. Da die Bewegungen des Besucher im Realraum eine Antwort in der künstlichen Umgebung erhalten entsteht erst die geforderte aurale Immersion. Dynamik und Kontrast sind die bestimmenden Elemente dieser Umgebung, und Bewegung und Innehalten sind die Methoden, mit denen sie erkundet werden kann. Das Ohr ist das Organ, welches uns leitet. Am Spiel mit verschiedenen Ordnungen und Brüchen in den Konfigurationen soll so der Kern dessen approximiert werden, woraus auraler Raum besteht.

Zusammenfassung (Englisch)

Sound is a bodily phenomenon by nature, and thus always spatial. It can be understood as a function of change of the physical world over time. It is a spatially determined, but also spatially determining force: spatially determined because it is formed and directed by the physical configuration of our material world; spatially determining because sound itself can change the state of our world: viewed from the perspective of physics it can set matter into vibration and ultimately effectuate movement. Psychologically it can exert influence on us humans in a variety of ways, and can guide us and affect our actions. It touches us, and we can touch through it. Thus it represents a bodily connection to the world around us. With this thesis i want to make the case that sound itself is able to engender space. Our physical environment is also an acoustic one, in which we are both transmitter and receiver. Thus exists an aural feedback loop between us and our surrounding. Electronic 'modifiers' that change our sensory perception of the world have penetrated various spheres of our personal and social space for a long time now. Immersion in such a 'altered' space is not just presupposed by the credibility of the modifications that take place, but just as much by the capacity of the new space to react to us. We ourselves must become modifiers of this altered space, just as we are modifiers of our physical world. By establishing an aural feedback loop between us and these new spaces (akin to the one between us and the traditional physical world) the virtual alterations that are confined to our sensory perception can become an actual alteration. With todays technologic capabilities it is often impossible to deduct from the soundwaves of an auditory event if they originate in a simulation, a recording or an actual physical event. In either case they can touch us, guide us and affect our actions. The effect will be the same, and will entail emotional, intellectual and finally physical consequences, when the individual starts to behave under the influence of the new spatiality. Space is expanded and altered. The immediacy of hearing brings about that we can not elude it. Part 1 of the written thesis treats the theoretical basis for an art project that was conducted in the course of this thesis and which is documented in part 2. Chapter 1.1 explains the physical basics of sound and the perceptual workings of human spatial hearing. Chapter 1.2 investigates the previous attempts of scholars of social science to describe our spatial acoustic environment. Chapter 1.3 builds upon this fundament and elaborates how our material world shapes the sounds it contains, and vice versa, how sound itself shapes our spatial environment through physical, emotional and social means. Finally Chapter 1.5 sheds light on the possibilities and consequences of an electronically modified aural space. Part 2 describes the project 'Sonic Manifolds', which was conceived of the knowledge documented in part 1. It attempts to create aural spaces by means of a self-designed computer-controlled sound installation. By establishing a feedback loop between the physical Here and the artificial There virtual space becomes physically palpable for visitors. Since the visitor's movements in the actual space receive an answer in the artificial simulation true aural immersion can take place. Dynamics and contrast are the defining elements of this environment, and movement and pause are the means to explore it. The ear is the organ that leads us. Through the interplay between diverse collocations and discontinuities in the configuration of the virtual space the core of what constitutes aural space shall be approximated.