Titelaufnahme

Titel
Made in Mongolia : Architektur und Identität in der Mongolei / von Victoria Culen
VerfasserCulen, Victoria
Begutachter / BegutachterinLehner, Erich ; Herbig, Ulrike
ErschienenWien, 2015
Umfang142 Seiten : 1 DVD ; Illustrationen, Pläne
HochschulschriftTechnische Universität Wien, Diplomarbeit, 2015
Anmerkung
Parallelt. [Übers. des Autors]: Made in Mongolia. Architecture and Identity in Mongolia
Titel der CD-ROM Beilage: Dokumentarfilm
Zusammenfassung in englischer Sprache
SpracheDeutsch
DokumenttypDiplomarbeit
Schlagwörter (DE)Mongolei / Jurte / Nomaden / Identität / Entwicklungsprojekt
Schlagwörter (EN)Mongolia / Yurt / Nomads / Identity / development project
URNurn:nbn:at:at-ubtuw:1-79349 Persistent Identifier (URN)
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Made in Mongolia [17.92 mb]
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Zusammenfassung (Deutsch)

Die Kultur der Mongolen gründet sich auf das Nomadentum, wodurch sich keine indigene Tradition stationärer Bauformen entwickeln konnte. Der einzige identitätsstiftende, entwickelte Bautyp der Mongolen ist das Nomadenzelt, das sogenannte Ger. Es wurde tausende von Jahren weiterentwickelt und ist in seiner Funktion als Behausung für umherziehende Menschen an Effektivität kaum zu übertreffen. Die Lebensumstände der mongolischen Bevölkerung veränderten sich seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion und Übergang von der Plan- zur Marktwirtschaft 1990 rasant. Der Verlust von Weidetieren, das harte Leben in der Steppe und die Verlockungen der westlichen Gesellschaft lassen immer mehr Mongolen sesshaft werden. Vor allem in und um die Hauptstadt Ulaanbaatar kommt es zu einer massiven Bevölkerungsverdichtung. In den Stadtrandbezirken kommt es zur Bildung sogenannter Ger-Districts, slumähnliche Viertel, in denen ehemalige Nomaden versuchen mit ihren traditionellen Wohnzelten sesshaft zu werden. Diese Bezirke sind nicht an die Infrastruktur der Stadt angeschlossen. Versorgungsprobleme, Arbeitslosigkeit und soziale Probleme durch den plötzlichen Wechsel von einem Leben in der weiten einsamen Steppe zu einem unglaublich dichten urbanen Raum sind die Folge. Die Vorteile des Gers, seine Leichtigkeit und der unglaublich schnelle Auf- und Abbau verlieren hierbei ihre Bedeutung und die schlechten Wärmespeichereigenschaften haben fatale Folgen für die Bevölkerung. Während die Nomaden mit getrocknetem Tierdung heizen, fehlt den sesshaft geworden Mongolen diese Ressource. Sie heizen stattdessen mit Kohle oder anderen auffindbaren brennbaren Materialen. Die dadurch verursachte Luftverschmutzung wird im Winter zum lebensbedrohlichen Problem. Durch den Verkauf von Schürfrechten ist es in den letzten Jahren zu einem plötzlichen Wirtschaftswachstum und einem damit verbundenen Bauboom in der Stadt gekommen. Wolkenkratzer und Wohnhausanlagen, deren Wohnungen zu teuer sind für die arme Bevölkerung wurden aus dem Boden gestanzt. Das Ger wird in der aktuellen Baukultur nur noch als Dekorationsobjekt ohne Funktion eingesetzt. Die kulturelle Identität geht im anonymen, homogenisierten Baugeschehen der Stadt verloren. Die Arbeit ist in einen praktischen Teil in Form eines Dokumentarfilms und einen theoretischen Teil in Form einer schriftlichen Arbeit unterteilt. Sie untersucht zunächst die historischen und traditionellen Aspekte identitätsstiftender mongolischer Architektur, gibt im Folgenden einen kurzen Einblick in das aktuelle Architekturgeschehen und beschreibt zum Schluss das Projekt GERald und dessen praktische Umsetzung, ein Projekt das für die sozial schwächste Bevölkerungsschichte entwickelt wurde und neue Denkansätze zum Thema Architektur und Identität in der Mongolei liefert.

Zusammenfassung (Englisch)

Mongolian culture is rooted in nomadism, which means that no indigenous traditions for residential housing design emerged. The only characteristic housing type of Mongolian culture is a nomad tent, the so called Ger. The Ger has been refined over thousands of years and its effectiveness to house errant people and cater for nomad needs, is hard to outmatch. The fall of the Soviet Union in 1990 and the transition from planned to a free-market economy brought drastic change for the Mongolian population and its nomad ways. The increasing loss of grazing livestock, the harsh living conditions in the steppe, as well as the allure of western culture encourage an ever growing-number of Mongolians to adopt a sedentary life style, resulting in a striking agglomeration of people in cities, particularly in and around the capital Ulaanbaatar. The outskirts of cities see formations of so called Ger-Districts, slum-like neighbourhoods in which nomads try to settle with their traditional tents. These Ger-Districts are not connected with the urban infrastructure. Provisioning problems, unemployment, poverty, and social problems are a result of the fast change from living in the wide, lonely steppe to settling in a densely populated urban area. Designed to be light and enable fast setup and breakdown, the Ger loses its benefits in a sedentary scenario and the poor heat storage qualities, have disastrous consequences for the resident population. The nomads used to heat their ovens with dried dung. The Mongols who have settled down don't have this resource anymore. Instead they use coal or any other combustible material. As a result the air pollution is becoming a live threatening problem. The rise of the mining industry led to sudden economic growth, which in turn resulted in a construction boom. Skyscrapers and housing complexes rapidly emerged, but its expensive apartments are out of range for poorer population groups. The Ger loses its relevancy in the current construction culture, leaving it to become more of a decorative element without function, as oppose to a housing solution. Mongolian cultural identity vanishes in the anonymous, homogenized construction style of a modern city. The thesis consists of a practical and a theoretical part, practical applying documentary filmmaking as method and theoretical using a paper as output of the work. The paper will examine the historical and traditional identity of Mongolian architecture, provide a brief insight into current architectural developments in Mongolia, and outline the practical aspects of the implementation of the GERald project, which was designed to provide affordable living for the poorest population groups and gives a new approach when it comes to the question of how to deal with the topic architecture identity in Mongolia.