Titelaufnahme

Titel
Virtuelle Rekonstruktion der Synagoge Jablonec nad Nisou (Gablonz an der Neiße) / von Maciej Roman Lazewski
Verfasser / Verfasserin Lazewski, Maciej Roman
Begutachter / BegutachterinMartens, Bob
Erschienen2014
UmfangVII, 161 S. : zahlr. Ill., graph. Darst., Kt.
HochschulschriftWien, Techn. Univ., Dipl.-Arb., 2014
Anmerkung
Zsfassung in engl. Sprache. - Literaturverz. S. 147
SpracheDeutsch
DokumenttypDiplomarbeit
Schlagwörter (DE)Jablonec nad Nisou / Synagoge / Verlorene Architektur / Virtuelle Rekonstruktion / Synagogenrekonstruktion / Jüdische Gemeinde / Geschichte 1823 - 1938 / Virtuell / Denkmalpflege / Raumgestaltung
URNurn:nbn:at:at-ubtuw:1-64796 Persistent Identifier (URN)
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Virtuelle Rekonstruktion der Synagoge Jablonec nad Nisou (Gablonz an der Neiße) [33.15 mb]
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Zusammenfassung (Deutsch)

Das überstehende Forschungsprojekt der Virtuellen Rekonstruktion zerstörter Synagogen unter der Leitung von Prof. Bob Martens und DI Herbert Peter, wird mit der Modellierung einer weiteren Synagoge von Wilhelm Stiassny mit vorliegender Arbeit erweitert. Der 1892 ausgeführte Tempel von Jablonec nad Nisou, einem damals aufstrebenden Städtchen an der heute deutsch-tschechischen Grenze, war eine der ersten Synagogenbauten des Architekten. Der Aufschwung der, für ihre Glasbijiouterie über die Landesgrenzen hinaus bekannten, Produktionsstätte ist geschichtlich stark mit der Zuwanderung fähiger und geschickter jüdischer Handelsleute verknüpft, die in ihrem, dem Gemeinwohl zugutekommendem Handeln, hohes Ansehen genossen. Ein Vierteljahrhundert nach dem ersten jüdischen Gottesdienst, gefördert durch das Anwachsen der Gemeinde auf über 750 Mitglieder, strebte der Cultusverein alsbald den Bau eines eigenen Tempels an. Dem Wohlwollen des damaligen Bürgermeisters zu verdanken, konnte ein geeignetes Grundstück mit Hanglage zur Neiße in angemessener Nähe zur Evangelischen Kirche und dem Alten Markt erworben werden. Mit Wilhelm Stiassny konnte nicht nur eine prominenter Vertreter seiner Zunft, sondern auch ein engagierter und großmütiger Planer gewonnen werden. Der bestmöglich an das Baukapital der Gemeinde angepasste und uneigennützig zur Verfügung gestellte Vorschlag, sah eine dreischiffige Basilika vor, welche Stiassny, als Verfechter einer eigenständigen Sakralbauform für die Judenschaft, mit maurischen Elementen und Verzierungen kombinierte. Die Synagoge ähnelte seinem Gotteshaus von Malacky, welches er fünf Jahre zuvor in der heutigen Slowakei konzipierte, übertrumpfte es aber in Größe und Pracht deutlich.Auch wenn Gründe der Kosteneinsparungen vermutet werden, bleibt ein ganz besonderes Alleinstellungs- merkmal von Jablonec, innerhalb Stiassny`s Synagogenrepertoire ihre reich verzierte aber monochrom in weiß gehaltene Innenfärbung. Die streifenverzierte Fassade, besaß zur Front zwei Seitenrisalite auf deren prachtvolle Kuppeln mit Laternen und goldenen Davidsternen ruhten. Über dem Mittelportal im Aufwendig verzierten Kranzgesimse prunkte der Psalm zum Tor der Gerechten. Der Zerstörung und Verwüstung der Novemberpogrome entkam das Gotteshaus der Israelitischen Kultus Gemeinde nicht, und so konnte der flüchtende Rabbi einzig seine wertvollste Thorarolle mit in die USA retten. Zwar lassen sich einige Relikte, wie Vorhänge und Thoramäntel heute der Jabloncer Synagoge zuordnen, aber bis auf Stiassny`s Originalpläne und eine Handvoll an Fotografien zeugt heute wenig von dem ehemaligen Tempel. Dementsprechend wurde früh im Zuge der Virtuellen Rekonstruktion auf erhaltene Bauten Wilhelm Stiassny`s zurückgegriffen. Daraus resultierend konnten mehrfach wiederkehrende Elemente und Verzierungsmuster erkannt und detailgetreu nachgebildet werden. Als hervorzuhebender Vorteil ist die zur Verfügung Stellung zweier Außenaufnahmen und der einzigen existenten Innenaufnahme in jeweils äußerst hoher Qualität und Auflösung. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse lassen nicht nur eine Wissensverdichtung zu den ebenfalls zerstörten Synagogen von Wiener Neustadt und der Wiener Leopoldsgasse zu, sondern ergaben auch neue Kohärenzen und Querverbindungen. So lassen sich eine Vielzahl an ausgearbeiteten Übereinstimmungen mit dem Innenraum der "Polnischen Schul" in der Leopoldsgasse, als auch wesentliche Unterschiede zu Malacky anhand dieser Rekonstruktion nachweisen.

Zusammenfassung (Englisch)

The supernatant research project of the virtual reconstruction of destroyed synagogues, under the leadership of Prof. Bob Martens and DI Herbert Peter, is extended by the present modelling work of another Wilhelm Stiassny synagogue. The Temple of Jablonec nad Nisou built in 1892, in a rising town next to the German-Czech border, was one of the first synagogue buildings of the architect. The economic rise of the town, famous for their glassjewellery over the country`s borders, is historically strongly linked with immigration of capable and skilful Jewish merchants who enjoyed high reputation due to their social involvement. A quarter century after the first Jewish church service, based on the static growth of the community to over 750 members, the Cultusverein sought the construction of their own temple. Thanks to the benevolence of the mayor, a suitable building ground could be acquired with a slope to the river Neisse in reasonable proximity to the Evangelical Church and the Old Market. The community managed to acquire Wilhelm Stiassny, who was not only a prominent member of his profession, but also a dedicated and generous planner. His selflessly provided proposal was best adapted to the construction funds of the municipality and provided a three-aisled basilica which Stiassny, as an advocate of an independent religious building form for the Jews, combined with Moorish elements and embellishments. The synagogue resembled his five years older temple of Malacky - located in today's Slovakia - surpassing it significantly in size and splendor. Even if reasons of cost savings can only be presumed, Jablonec remains as a very unique example within Stiassny`s synagogue repertoire, due to its richly decorated but monochrome white coloured interior space. The two-tone striped front facade had two magnificent domes resting on side risalits, each with a big lantern and a golden Star of David on top. The principal cornice above the central portal was emblazed with the Psalm about the gate of the righteous. Unfortunately, the Jewish temple didn-t overcome the days of destruction and devastation of the November pogroms, and so the Rabbi was only able to save one single precious Torah scroll while escaping to the United States. Besides a few relics, such as curtains and Torah coats that can be assigned to the Jabloncer synagogue, nowadays only Stiassny`s original plans and a handful of photographs bear witness of the former temple. Accordingly, references were taken from other preserved temples of Wilhelm Stiassny for the virtual reconstruction process at a very early stage. Due to the availability of two exterior and the only existing interior photography - in each case of remarkable high quality and resolution - multiple recurring elements and ornamental details could be identified and modelled accurately. The resulting knowledge gain gave new coherence and crossconnections to the research projects about the destroyed synagogues of Wiener Neustadt and the Wiener Leopoldgasse. Therefore, this diploma thesis elaborates a wide range of proven correlations with the interior of the "Polnische Schul" in the Leopoldgasse, as well as significant differences to Malacky.

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