Titelaufnahme

Titel
Konzept und Gestalt zwischen Drinnen und Draußen : Entwicklungen in der Zugangsinszenierung der metropolitanen Vertikalverdichtung / Gerhard Schnabl
VerfasserSchnabl, Gerhard
Begutachter / BegutachterinHauser, Sigrid
Erschienen2012
Umfang248 S. : Ill., graph. Darst., Kt.
HochschulschriftWien, Techn. Univ., Diss., 2012
SpracheDeutsch
Bibl. ReferenzOeBB
DokumenttypDissertation
Schlagwörter (DE)Konzept&Gestalt / Drinnen&Draussen / Zugangsinszenierung / Eingangszonen / Vertikalverdichtung / Metropole / Architekturtheorie / Städtebau / Gebäudelehre / Gestaltungslehre
Schlagwörter (GND)Städtebau / Zugang / Eingang <Architektur> / Loos, Adolf / Mies van der Rohe, Ludwig / Rogers, Richard George / Foster, Norman / Koolhaas, Rem / Architektur / Stadthaus / Hochhaus
URNurn:nbn:at:at-ubtuw:1-54779 Persistent Identifier (URN)
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Konzept und Gestalt zwischen Drinnen und Draußen [41.93 mb]
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Zusammenfassung (Deutsch)

In dieser Arbeit werden - ausgehend vom metropolitanen Spannungsfeld zwischen Stadt und Hochhaus zu Beginn des 20. Jahrhunderts - Konzept und Gestalt der Zugangsinszenierung in ihren Entwicklungen, in ihren Sonderformen und in ihren Stagnationen oder auch Rückschritten betrachtet: vom zumeist öffentlichen Vorfeld über die Gestik der Fassade bis hin zum Innenbereich mit seinen Anknüpfungen an die vertikalen und horizontalen Erschließungen.

Neben mehr oder minder groben stadtplanerischen Regeln müssen die Architekturen die Auseinandersetzung mit sich und der städtischen Anbindung klären und gleichzeitig (damals) neue Gebäudeproportionen und -dimensionen berücksichtigen. Denn die Zugangsinszenierung in der metropolitanen Vertikalverdichtung ist diversen markanten und zum Teil widersprüchlichen Zwängen ausgesetzt. Sehr hohe ökonomische Zwänge fordern zum einen maximal addierte Regelgeschosse. Diese wirken überproportional auf den darunter liegenden Zugangsbereich ein. Eine ebenfalls überproportionale Auswirkung darauf hat oft auch die Fluktuation, also die Ein- und Austrittsrate von Personal, Besuchern etc., zwischen einem höchst urbanen Umfeld und einem im Grundriss minimierten und gleichzeitig in seiner Höhe maximierten Baukörper.

Dies sind Faktoren, die für eine umfassende gestalterisch-strategische Inszenierung dieses Bereichs zusätzliche beziehungsweise verstärkte Herausforderungen darstellen.

Ich starte dabei zeitlich mit den Entwicklungen in der metropolitanen Vertikalverdichtung und ihrer Anbindung an den Stadtraum um das Jahr 1920. Es handelt sich dabei um eine Zeit eines sehr umfangreichen gesellschaftlichen Wandels, der auch in der Architektur in Form der Moderne, und somit auch im Hochhausbau, seine Auswirkungen erkennen lässt.

Zuvor gab es - vor allem im Umfeld der Chicagoer Schule und des New Yorker Beaux-Arts-Stils - abgesehen von technologischen Fortschritten und pragmatischen Adaptierungen nahezu keine bedeutenden gestalterisch-konzeptionellen neuartigen Weiterentwicklungen in diesem Bereich, vielmehr waren historistische Umformulierungen weitgehend etabliert. Adolf Loos brachte diesen Stillstand mit seinem bekannten Beitrag für den baustilistisch generell bedeutenden Wettbewerb zum Neubau des Chicago Tribune Tower im Jahr 1922 zu einem gestalterisch ambivalenten Abschluss für die Avantgarde. Ein Zugangsportal und ein dahinter liegendes Foyer, so groß wie in einem durchschnittlich normal hohen Stadthaus, sowie eine Haupttreppe anstelle einer Liftgruppe im Zentrum der Zugangsinszenierung machten seinen Entwurf diesbezüglich zu einem radikalen Beispiel.

Während Loos mit einem radikalen Rückschritt im Hinblick auf die Zugangszone nahezu provozierte, war es Ludwig Mies van der Rohe, der - ebenfalls bereits 1921 - bei einem ähnlich bedeutenden Wettbewerb für ein Hochhaus in der Berliner Friedrichstraße mit seinem Gestaltungskonzept für ein vollständig gläsernes Hochhaus mit dazugehörigen, bereits vergrößerten außenräumlichen Vorbereichen vor allem bei der Avantgarde für Aufsehen sorgte. Mies selbst war es auch, der mit seinen nordamerikanischen Realisierungen in diesem Bereich noch viele Jahrzehnte danach, bis in die 1960er Jahre, sehr prägend sein sollte. Mies vergrößerte in seinen Arbeiten deutlich das außenräumliche Vorfeld und sorgte auch durch die Öffnung der Sockelzone beziehungsweise die Auflösung des massiv-hermetischen Gebäudesockels für einen konsequenten räumlichen Fluss zwischen "Drinnen" und "Draußen". Seine Arbeiten waren schließlich so prägend, dass zahlreiche Projekte nach und während seiner Schaffenszeit in Bezug dazu gestellt werden können.

Als ein Versuch der Weiterentwicklung von Mies' Konzepten können beispielsweise die von Richard Rogers und Norman Foster kreierten Hofhochhäuser mit ihren riesigen innenräumlichen Atrien als Finale der Zugangsinszenierungen gesehen werden. Einen Bruch mit Mies' Zugangsgestik, vor allem im Hinblick auf die Fassade, versuchte hingegen als einer der Ersten Philip Johnson mit seinem post- oder vielleicht sogar eher prämodernen Entwurf des AT&T Corporate Headquarters.

Eine reflektiertere und distanziertere Weiterentwicklung dazu ist bei Rem Koolhaas und seinem Office for Metropolitan Architecture zu erkennen. Seine profunden und dauerhaften Auseinandersetzungen mit Metropolen, Erschließungen und Öffentlichkeit lassen neue visionäre Konzepte zur Zugangsinszenierung entstehen - jenseits des Stadtniveaus und oft mehrere Hochhäuser verbindend.

In der Arbeit gelingt es, mittels Analysen von thematisch maßgeblichen architektonischen Beiträgen und den dazugehörigen Folgerungen die folgenden Fragen zu beantworten:

Kann eine kontinuierliche Entwicklung bei der Zugangsinszenierung in der metropolitanen Vertikalverdichtung nachgewiesen werden? Die Entwicklung der Zugangsinszenierung in der metropolitanen Vertikalverdichtung, im Hinblick auf Konzept und Gestalt zwischen "Drinnen" und "Draußen", weist ab den 1920er Jahren Kontinua beim außenräumlichen Vorfeld, bei der Fassadengestik wie auch beim innenräumlichen Bereich auf. Es sind teilweise durchaus auch quantitative Maxima mit darauf folgenden Rückentwicklungen erkennbar.

Gewisse Aspekte und Teilsequenzen wuchsen, addierten oder multiplizierten sich im Laufe der Entstehung der Entwürfe und schrumpften, subtrahierten oder dividierten sich schließlich wieder.

Zu einer markanten anschließenden Streuung der Entwicklungen in diesem Bereich trug bestimmt Mies mit seinem umfangreichen und stringenten Katalog an neu überdachten Entwurfskonzepten bei. Zahlreiche Projekte nach und während seiner Schaffenszeit können in einen Bezug zu seinen Arbeiten gestellt werden - als deren Kopie, deren Weiterentwicklung oder als Bruch mit diesen.

Wie und unter welchen Bedingungen können in diesem komplexen und dichten Umfeld urbane, typologische und gestalterische Innovationen entstehen? Harte Fakten wie hohe Baukosten, Verordnungen oder auch sperrige Sockelbauten beeinflussen bei der Zugangsinszenierung in der metropolitanen Vertikalverdichtung nicht direkt nachweislich Innovationen. Diese Aspekte sind zu unterschiedlich und inhomogen, als dass solche Nachweise erbracht werden könnten. Wie verhält es sich bei metropolitanen Zugangsinszenierungen mit konzeptionell-gestalterisch-räumlichen Wechselbeziehungen zwischen der Horizontal- und der Vertikalverdichtung? Horizontalverdichtende Bauteile sind dabei klar in Form von ergänzenden Teilobjekten wie Pavillons, Anbauten, großflächigen Unter- oder Sockelgeschossen etc. für die Vertikalverdichtung hilfreich.

Direkte Übernahmen von Konzepten aus der Horizontalverdichtung, unmittelbar an der Vertikalverdichtung angewendet, setzen sich langfristig hingegen nur punktuell durch. Konzept und Gestalt zwischen "Drinnen" und "Draußen" - ein Verlauf von Entwicklungen in der Zugangsinszenierung für Hochhäuser innerhalb eines durch eine räumliche Bezugsstruktur aus Grenzen, Transit und Dichte komplexen großstädtischen Umfeldes.