Titelaufnahme

Titel
Behindertengerechte Einstiege bei der Eisenbahn / von Mohammad-Mohsen Farhadi
VerfasserFarhadi, Mohammad-Mohsen
Begutachter / BegutachterinOstermann, Norbert ; Kroiss, Helmut
Erschienen2010
UmfangIX, 75 Bl. : zahlr. Ill., graph. Darst.
HochschulschriftWien, Techn. Univ., Dipl.-Arb., 2010
Anmerkung
Zsfassung in engl. Sprache
SpracheDeutsch
DokumenttypDiplomarbeit
Schlagwörter (DE)Rollstuhl / Einstiegshilfe / Behindert / Eisenbahn
URNurn:nbn:at:at-ubtuw:1-43181 Persistent Identifier (URN)
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Behindertengerechte Einstiege bei der Eisenbahn [2.93 mb]
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Zusammenfassung (Deutsch)

Kurzfassung In unserer Gesellschaft leben Menschen, die körperlich, geistig oder seelisch behindert sind. Behinderungen können sich als Folge von Krankheit, Unfällen und Gewalteinwirkungen (z.B. Kriegsfolgen) ergeben.

Für ein menschenwürdiges Leben sind Leistungen wichtig, die Gleichberechtigung und Selbstbestimmung fördern. Daher ist es die Aufgabe der Politik und der Gesellschaft, Menschen mit besonderen Bedürfnissen in allen Lebensbereichen zu integrieren. Neben zahlreichen anderen Lebensbereichen stellt der Fahrgastwechsel im (Eisen)Bahnverkehr für Passagiere mit eingeschränkter Mobilität erhebliche Probleme dar.

Sie benötigen grundsätzlich mehr Zeit als andere Passagiere, und insbesondere Rollstuhlfahrer zählen zu jenen Fahrgastgruppen, die beim Einstieg in eine Bahn mit den stärksten Einschränkungen konfrontiert sind.

Ziel dieser Diplomarbeit ist im Hinblick auf derartige Probleme in den Einstiegsbereichen einen Überblick über vorhandene Einstiegssysteme zu schaffen, diese Systeme hinsichtlich spezifischer Vor - und Nachteile zu evaluieren, und eine Beurteilung des aktuellen Standes der tatsächlich angebotenen Einstiegshilfen und der im Umgang damit vorliegenden Erfahrungen zu geben. Im Rahmen dieser Diplomarbeit wurde in einem ersten Schritt eine Umfrage unter mehr als 120 Eisenbahnverkehrsunternehmen (EVU) in 30 verschiedenen Ländern zur Erhebung des gegenwärtigen Zustandes durchgeführt. Um die wichtigsten Informationen, technische Details der individuellen Lösungen, und damit gemachte Erfahrungen zu diesem Thema zu erlangen wurde ein Fragebogen mit 15 Fragen auf Deutsch und Englisch vorbereitet, und per Brief oder E-mail an die EVU geschickt. Es gingen teils sehr umfangreiche Antworten von mehr als 35 dieser Adressaten ein.

Bei heutigen Schienenfahrzeugen werden je Betreiber verschiedene Systeme der Einstiegshilfe verwendet. Mehr als 90 Prozent dieser Systeme sind 4 großen Gruppen, Rampen, Hublifte, Tritte, und Spaltüberbrückungen zuzuordnen.

Als ideale Einstiegshilfe für behinderte Menschen kann der Schiebetritt oder die Spaltüberbrückung angesehen werden. Diese Beurteilung ist einerseits damit zu begründen, dass diese Systeme im Betrieb ohne Personaleinsatz funktionieren (psychologischer Vorteil für behinderte Menschen) und die MitarbeiterInnen der Eisenbahnen beim Einsatz von Trittsystemen als Einstieghilfe keine Vorinformation benötigen, und andererseits auf den sehr geringen Zeitaufwand (der Einsatz der Tritte erfordert normalerweise weniger als 10 Sekunden), die hohe Zuverlässigkeit und die allgemeine Zufriedenheit zurückzuführen. Aufgrund teils technischer, teils wirtschaftlicher Gegebenheiten (vor Allem müssen die Niveaus von Zug und Bahnsteig etwa gleich sein) können die Eisenbahngesellschaften nicht derartige Systeme in der Regel kaum oder gar nicht zum Einsatz bringen, und sie müssen daher auf andere Systeme, wie Rampen oder Hublifte für behinderte Menschen zurückgreifen.

Der folgende Abschnitt widmet sich den Eigenschaften von Rampen und Hubliften, den Vor- und Nachteilen der verschiedenen Ausführungen und den Rahmenbedingungen für den jeweiligen Einsatz.

Für Rampen gilt ein Neigungswinkel von 17% als oberes Limit für die Benützung durch Rollstuhlfahrer. Daraus ergibt sich unmittelbar eine Beschränkung des Einsatzes auf Bahnsteige, deren Niveau maximal 380 mm unterhalb des Wagenniveaus liegt (in der Regel werden bereits ab Niveauunterschieden von 250 mm Hublifte verwendet). Damit ist die Bahnsteighöhe für die Bahngesellschaften das wichtigste Kriterium für die Auswahl zwischen Rampen und Hubliften als Einstiegshilfe.

Sowohl bei Rampen, als auch bei Hubliften kann man vier konstruktive Untergruppen unterscheiden: sie können jeweils entweder manuell oder elektromechanisch betrieben werden, und entweder bahnsteigseitig oder fahrzeuggebunden vorliegen, wobei alle Kombinationsmöglichkeiten verwirklicht sind. Die elektromechanische, fahrzeuggebundene Ausführung ist dabei jeweils die Nutzer-freundlichste, aber auch teuerste Variante.

Im Vergleich mit jeweils konstruktiv entsprechenden Hubliften sind Rampen generell wesentlich billiger, zuverlässiger und weniger zeitaufwändig, was sich in den Bewertungen durch Kunden und Personal niederschlägt. Es muss aber nochmals darauf hingewiesen werden, dass bei niedrigen Bahnsteigen (Niveauunterschied zwischen Zug und Bahnsteig zwischen 250mm und 760mm) Hublifte unerlässlich als Einstiegshilfe sind.

Deshalb tragen manchmal nationale Züge mindestens einen elektromechanischen fahrzeuggebundenen Hublift mit.

Zusammenfassung (Englisch)

Abstract Our society comprises many people who are hindered physically, mentally or emotionally. Disabilities can arise from illness, accidents and acts of violence (such as consequences of war). For a humane life the achievements which promote equal rights and self-determination are important. Therefore, it is the task of politics and society to integrate people with special needs in all areas of life. Beside numerous other areas of life, entry and exit of passengers at railway stops poses considerable problems for passengers with limited mobility.

Generally they need more time than other passengers, and in particular wheelchair users represent the group of passengers that is confronted with the strongest restrictions when entering a train.

In the light of these known problems in the entry areas, the aim of this thesis is to provide an overview of existing boarding aid systems, and to evaluate these systems in terms of specific advantages and disadvantages, and to give a judgment of the current state of the actually offered boarding aid systems and the practical experiences gained with these systems. Within this thesis as a first step, a survey of more than 120 railway undertakings (RUs) in 30 different countries was carried out to learn the current state of affairs. To obtain the most relevant information, technical details of individual solutions, and thus experiences gained on this subject, a questionnaire with 15 questions in English and German was prepared and sent by letter or e-mail to the RUs. Some very detailed responses from more than 35 of these recipients were obtained. Today's railway operators apply a whole range of different systems of boarding aid. More than 90 percent of these systems can be assigned to 4 major groups, namely ramps, lifts, steps, and gap-bridge constructions. In principle sliding steps and gap-bridging can be considered as ideal boarding aid systems to support disabled people when entering or leaving trains. This judgment on the one hand is based on the fact that these systems do not depend on extra staff assignment for operation (which represents a distinct psychological advantage for disabled people), and the railway organizations do not need any advance information when operating step systems as boarding aid, and, on the other hand, on the very short times required (the application of the steps ordinarily requires less than 10 seconds), combined with high reliability and general acceptance by customers. Due to partly technical, partly economic circumstances, (i. e. as long as the levels of all trains and platforms are not virtually identical) the railway companies actually cannot provide such systems as a rule or even not at all, and, hence, they have to apply other systems, such as ramps or lifts, for the boarding of disabled people.

The following section deals with the properties of ramps and lifts, the advantages and disadvantages of various models and frameworks for the particular application. For ramps an inclination angle of 17% is considered as an upper limit for the use by wheel chair drivers. Consequently, ramps can only be applied on platforms whose level lies less than 380 mms below the train level (as a practical rule, lifts are already used whenever the differences in levels are beyond 250 mms). Thus for the railway companies the height of the platform is the most important criterion for the choice between ramps and lifts as an entrance help.

With both ramps, as well as lifts there exist four constructive sub-groups: each can be operated either manually or electromechanically, and they are either platform-based or vehicle-based, and all possible combinations are existing. In each case the electromechanical, vehicle-based variant is the most user-friendly, but also the most expensive option. When comparing the respective pairs of constructively equivalent devices, ramps generally are substantially cheaper, more reliable and less time consuming, what is also reflected in the evaluation by customers and staff. However, it must be pointed out again that for low-level platforms (difference in level between train and platform between 250 mms and 760 mms) lifts are essential as a boarding aid system. Therefore, national trains sometimes carry at least one electromechanical vehicle-based lift.