Titelaufnahme

Titel
Von kompakten zu zersiedelten Bebauungsstrukturen im ländlichen Raum : historische Siedlungsentwicklung in ausgewählten Sammelsiedlungsgebieten Österreichs und Rückbesinnung auf die Qualität der Bebauungsstrukturen in den Ortskernen von Straßen- und Angerdörfern / von Christine Zehetgruber
VerfasserZehetgruber, Christine
Begutachter / BegutachterinWalchhofer, Hans Peter
Erschienen2010
Umfang212 S. : Ill., graph. Darst., Kt.
HochschulschriftWien, Techn. Univ., Dipl.-Arb., 2010
Anmerkung
Zsfassung in engl. Sprache
SpracheDeutsch
DokumenttypDiplomarbeit
Schlagwörter (DE)Historische Siedlungsentwicklung / Bebauungsdichte / kompakte Siedlungsform / Innenentwicklung
URNurn:nbn:at:at-ubtuw:1-38582 Persistent Identifier (URN)
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Von kompakten zu zersiedelten Bebauungsstrukturen im ländlichen Raum [17.44 mb]
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Zusammenfassung (Deutsch)

Die meisten Gemeinden sind heute in unterschiedlichem Ausmaß von Zersiedelung betroffen. Dies trifft auch auf Gebiete mit einer historisch vorherrschenden Sammelsiedlungsstruktur zu, zu denen auch die beiden Untersuchungsgemeinden Purbach und Bad Vöslau zählen. Die kompakte Form dieser ländlichen Siedlungen blieb teilweise bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts erhalten. Die beginnende Massenmotorisierung in Verbindung mit dem sozioökonomischen Wandel führte schließlich auch im ländlichen Raum zu einer Auflösung der historischen Siedlungsstrukturen. Die kompakte Form der Angerdörfer beruhte ursprünglich auf strategischen Überlegungen und diente der besseren Verteidigung in der Ebene. Die charakteristische Bebauungsstruktur aus eng aneinandergereihten Streckhöfen war durch die vorherrschende Streifenflur bedingt, hatte jedoch auch funktionelle Gründe. Sie ermöglichte kurze Wege innerhalb des Dorfes und zu den Bewirtschaftungsflächen. Die Bereiche Arbeiten und Wohnen waren sowohl geographisch als auch funktionell eng miteinander verbunden. Diese Nähe ging einher mit einem starken Gemeinschaftsgefühl der Dorfbewohner. Die Dorfgemeinschaft beruhte auf der Nachbarschaftshilfe, was gleichzeitig auch eine hohe gegenseitige Abhängigkeit bedeutete. Der Anger war nicht nur eine zentrale Freifläche, sondern gleichzeitig Versammlungsplatz und gemeinschaftliche Wirtschaftsfläche.

Mit der Industrialisierung vollzog sich auch abseits der Ballungsräume im ländlichen Raum eine zunehmende Trennung von Wohnen und Arbeiten, die letztendlich auch räumliche Ausprägungen hatte. Die Wohn- und Lebensform des "ganzen Hauses" verlor an Bedeutung und die Funktion der Höfe und Häuser beschränkte sich zunehmend auf das Wohnen. Innerhalb des ländlichen Raums setzten die Auswirkungen der Industrialisierung jedoch in unterschiedlichem Ausmaß ein. Während unter besonders günstigen Rahmenbedingungen manche ländlichen Siedlungen sehr rasch zu mittleren Industriezentren heranwuchsen, blieb diese Entwicklung in anderen ländlichen Gegenden aus. Teilweise kam es sogar zu einer Abwanderung in die Nähe der Fabriken in den neu entstandenen Industriezentren. Die Fabriken brachten neue Wohnformen hervor, die eigens für die Arbeiter geschaffen wurden. Neben Formen des Geschoßwohnbaus setzten sich, ideologisch geprägt, bald auch in der Arbeiter- und Angestelltenschicht Eigenheime durch. Während die Villa, die als frühe Form des heutigen Einfamilienhauses betrachtet werden kann, nur der oberen Gesellschaftsschicht vorbehalten war, gewann das Kleinhaus als ideale Wohnform für die Masse an Bedeutung. In der Nachkriegszeit verschwammen die Grenzen zwischen der Villa und dem Kleinhaus zunehmend. Es setzte sich das moderne Einfamilienhaus für alle gesellschaftlichen Schichten durch.

In den Untersuchungsräumen Purbach und Bad Vöslau fanden von der Mitte des 20. Jahrhunderts bis in die achtziger Jahre die größten Siedlungserweiterungen statt. Als überwiegende Bebauungsform trat dabei das freistehende Einfamilienhaus hervor. Der Trend zu dieser Wohnform ist heute noch anhaltend. Solange an den Ortsrändern ausreichend günstiges Bauland zur Verfügung steht, wird die Zersiedelung weiter zunehmen, während die Ortskerne von Leerstand oder sogar Verfall betroffen sind. Somit beschäftigt sich der letzte Teil der vorliegenden Arbeit mit grundsätzlichen Möglichkeiten der Innenentwicklung und der Weiterentwicklung sowohl historischer Ortskerne als auch Einfamilienhaus-Siedlungen. Dabei werden zuerst rechtliche Rahmenbedingungen für eine gezielte Siedlungsentwicklung nach innen aufgezeigt und ein Überblick über zusätzliche ökonomische Instrumente gegeben. Eine Auswahl an Beispielen soll schließlich die Bandbreite an Maßnahmen zur Nachverdichtung veranschaulichen.