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Titel
Die neue Lebensweise fordert neue Formen : Konstantin Melnikovs Arbeiterklub "Svoboda" in Moskau, eine Rekonstruktion und Analyse / von Bettina Plößnig-Weigel
VerfasserPlößnig-Weigel, Bettina
Begutachter / BegutachterinDöring-Williams, Marina
Erschienen2009
Umfang175 S. : Ill., Kt.
HochschulschriftWien, Techn. Univ., Dipl.-Arb., 2009
SpracheDeutsch
DokumenttypDiplomarbeit
Schlagwörter (DE)Arbeiterklubs / Arbeiterklub Svoboda / Konstantin Melnikov / Sowjetische Avantgarde / Moskau 1920er Jahre / Sozialistische Kulturrevolution / Russland 1920er Jahre
URNurn:nbn:at:at-ubtuw:1-32359 Persistent Identifier (URN)
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Zusammenfassung (Deutsch)

Die Arbeiterklubs, eine proletarische Kultur- und Freizeiteinrichtung der sowjetischen Avantgarde, stehen im Mittelpunkt dieser Arbeit. Sie sollten die bauliche Umsetzung der geforderten "neuen, sozialistischen Ideologie" sein und eine "Werkstatt zur Schaffung eines neuen Menschentyps" verkörpern. Man ging davon aus, dass ein innerer Wandel des Menschen nur mit der äußeren Umgestaltung dessen Umgebung möglich sei. Zu Beginn beschäftigt sich die vorliegende Arbeit mit den Folgewirkungen des Umbruchs im Land - dem gesellschaftlichen Wandel und den neuen Strömungen in der Architektur. In weiterer Folge wird die historische Entwicklung der Arbeiterklubs dargelegt. Daraus wird ersichtlich, dass die Klubs auf dem vorrevolutionären Volkshaus aufbauen, somit einen Vorläufer haben. In der ersten Hälfte der 1920er Jahre wurden die Arbeiterklubs, aufgrund der schlechten wirtschaftlichen Lage, in bereits bestehenden Gebäuden eingerichtet. Die bauliche Auseinandersetzung begann erst ab Mitte der 1920er Jahre unter der Leitung der Gewerkschaften. Im Analyseteil der vorliegenden Diplomarbeit wird im Speziellen der Arbeiterklub "Svoboda" (Klub der Gewerkschaft der Chemiearbeiter) des Architekten Melnikov untersucht. Folgende Zitate des Architekten Melnikov wurden als Basis für die Betrachtung herangezogen:

"die neue Lebensweise fordert neue Formen"; "die Form des neuen Klubs muß individuell sein, sich deutlich von allen anderen Gebäuden divergenter Zweckbestimmung unterscheiden". Neben der Baubeschreibung des Ist-Zustandes wurde der Rekonstruktion der Baugeschichte eine sehr wichtige Stellung beigemessen. In der Gebäudeanalyse wird sowohl der Entwurf als auch das realisierte Projekt untersucht, somit wird ein Vergleich dieser beiden "Projektphasen" möglich. Auf die Forderungen der "neuen Ideologie", also der "neuen sozialistischen Kultur und Lebensweise", an die Architektur, wird in der Analyse des Arbeiterklubs besonders eingegangen. Der Arbeiterklub Svoboda steht in dieser Arbeit repräsentativ für die Klubs der sowjetischen Avantgarde. Nach der Analyse des ersten Svoboda Entwurfs und des realisierten Klubs zeigt sich sehr markant, dass in den 1920er Jahren die revolutionären Ideen und Visionen der "neuen Architektur" vorwiegend "am Papier" blieben und nicht gebaut wurden. Auf den äußerst revolutionären Entwurf, folgten viele Diskussionen, Veränderungen und Kompromisse, aber letztlich wurden nur wenige Ideen des Erstentwurfs tatsächlich realisiert. Die Gründe dafür sind einerseits in den fehlenden technischen Möglichkeiten der Sowjetunion der 1920er Jahre zu sehen, andererseits aber auch in der Kurzsichtigkeit und Ablehnung der neuen Ideen durch die Bauherren und Baubehörden. Als Vergleich zum analysierten Klub Svoboda wurden auch die weiteren fünf Arbeiterklubbauten von Melnikov untersucht. Obwohl all seine Klubs zwischen 1927 und 1929 projektiert wurden, weist jeder einzelne Bau eine eigenständige Formensprache auf. Die innere Organisation der Klubs, wie Raumprogramm und Erschließung, verfügt allerdings über charakteristische Gemeinsamkeiten. Eine Wende in der Kulturpolitik im Jahr 1932 beendete die großen Visionen der 1920er Jahre. Die sowjetische Avantgarde wurde vom "Sozialistischen Realismus" abgelöst. Die Arbeiterklubs wurden ab dieser Wende kritisiert und abgelehnt und finden bis heute wenig Beachtung in der russischen Architekturforschung.