Titelaufnahme

Titel
Gentrification-Simulation / von Roman Seidl
VerfasserSeidl, Roman
Begutachter / BegutachterinGiffinger, Rudolf
Erschienen2009
UmfangV, 120 S. : Ill., graph. Darst.
HochschulschriftWien, Techn. Univ., Dipl.-Arb., 2009
SpracheDeutsch
DokumenttypDiplomarbeit
Schlagwörter (DE)Gentrification, Simulation, Raumplanung, Mikrosimulation, Sandpile, Self-Organized Criticality, Invasion, Sukzession, Toleranz, Verdrängung
Schlagwörter (EN)Gentrification, Simulation, Planning, Microsimulation, Sandpile, Self-Organized Criticality, Invasion, Succession, Tolerance, Displacement
URNurn:nbn:at:at-ubtuw:1-30478 Persistent Identifier (URN)
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Gentrification-Simulation [7.56 mb]
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Zusammenfassung (Deutsch)

Mikrosimulationsverfahren sind seit Mitte der 1990er Jahre dabei, die führende Methode zur Simulation in den Sozialwissenschaften zu werden.

Im Kontext der Frage der Planung bzw. Planbarkeit sozial-räumlicher Prozesse stellt sich die Frage nach Steuerung und damit dem Verständnis der Prozesse. Die Frage, was solche Modelle bei der Untersuchung sozial-räumlicher Prozesse leisten können soll anhand von Gentrification-Modellen untersucht werden. Die Debatte um die Gentrification ist mittlerweile über 40 Jahre alt und von der Betrachtung mehrerer Maßstabsebenen sowie von zahlreichen divergierenden Theorieansätzen geprägt. Die Untersuchung der Zusammenhänge auf und von unterschiedlichen Ebenen ist eine der wesentlichen Möglichkeiten von Mikro-Modellen. Auf Grundlage des Stands der Gentrification-Theorie und der allgemeinen Möglichkeiten von Mikrosimulationsmodellen werden die aktuellen Ansätze Gentrification zum simulieren diskutiert. Auf dieser Grundlage wird ein Nachfrage-Modell für einen doppelten Invasions-Sukzessions-Zyklus (vgl. Dangschat, 1988) entwickelt. Dieses basiert einerseits auf dem Konzept der Sandpile Modelle (s. Bak, Tang, Wiesenfeld, 1988) und damit der Self-Organized Criticality, anderseits wird die Frage von Verdrängung ähnlich dem Seggregationsmodell von Schelling (s. Schelling, 1978) mittels Toleranzschwellen für die Anteile einer fremden Gruppe in der Nachbarschaft abgebildet.

Es zeigt sich, dass die Simulationsmodelle für Gentrification erst relativ am Anfang stehen. So wie die Debatte teilen sie sich (bis auf einen kombinierten Ansatz von Semboloni, 2007) in Angebots- und Nachfragemodelle. Da es im wesentlichen keine Modelle sind, die einen empirischen Gehalt besitzen können, sie nur dazu geeignet sein, die dynamischen Konsequenzen ihrer Annahmen zu testen. Die Ergebnisse der verschiedenen Ansätze zeigen im Wesentlichen, dass es ohne die Berücksichtigung einer Angebotsentwicklung (und damit etwa einer Rent-Gap) nicht möglich ist zyklisches Verhalten zu simulieren, ohne die Abbildung von Nachfrage-Aspekten jedoch keine Verdrängungsdynamik statt findet. Der vorgestellte eigene Ansatz für ein Nachfrage-Modell scheint gut dazu geeignet den Verlauf eines doppelten Invasions-Sukzessions-Zyklus abzubilden. Es wäre daher von Interesse diesen auf der Grundlage empirischer Daten zu kalibrieren und mit einem Angebots-Modell für Gentrification zu kombinieren.

Die neuere Planungstheorie sieht nur inkrementelle, kommunikative und zuletzt zunehmend kooperative Handlungsmöglichkeiten.

Sind Modelle - so wie die aktuellen Gentrification-Modelle - nur dazu imstande, Theorien in sich zu prüfen und damit einen explorativen und didaktischen Zweck zu erfüllen, so können sie in diesem Zusammenhang von Nutzen sein, aber die Handlungsmöglichkeiten nicht erweitern.

Sollte es jedoch, wie etwa von zahlreichen Autoren der vorgestellten Simulationsmodelle angedacht, gelingen, Regulationsansätze und deren Auswirkungen auf den Gentrification-Prozess darzustellen, so wäre dadurch bereits ein Schritt über ein rein kommunikatives Handeln hinaus möglich. Dadurch ließen sich die Möglichkeiten, durch die Veränderung von Spielregeln sowie durch Interventionen gewisse strategische Ziele eher zu erreichen, ausloten. Aussagen, die mittels der Modelle möglich scheinen, sind zwar letztlich eher qualitative über Entwicklungstendenzen. Da sie aber im Gegensatz zu traditionellen Simulationsverfahren die Struktur von Prozessen explizit abbilden, könnten sie dazu geeignet sein, zu lernen, wie die Rahmenbedingungen für Entwicklungs- und Aushandlungsprozesse diese beeinflussen.

Zusammenfassung (Englisch)

Within the last 20 years microsimulation has become the leading method for the simulation of socio-spatial processes. The idea of planning demands for regulation and thus the understanding of processes.

The examination of gentrification-models shall give an answer to the question how such models can help to understand socio-spatial processes.

The debates on Gentrification have been going on for over 40 years.

Gentrification-theory deals with the observation of different scales and is divided into multiple approaches. This seems to match the specific concepts and possibilities of microsimulation. Based on current gentrification-theory and the general possibilities and limitations of simulation different approaches to model gentrification will be discussed. An own approach - a demand-based simulation-model for a stage model of gentrification (the double invasion-succession-cycle - s. Dangschat 1988) will be developed and discussed.

The simulation-models for gentrification can - like the gentrification-debates - be split into demand-side and supply-side approaches. It will be shown that the demand-models can not show cyclic behavior whereas the supply-models lack the possibility to produce displacement.

The concept of simulating gentrification seems to be in the early stages. Current models can only show the dynamic consequences of their assertions and thus help to understand and communicate them. Only when based on empirical data and calibrated they could allow to give answer to questions concerning the possible development of real gentrification-processes. The general possibilities of microsimulation seem to contradict the idea of such a prognosis as such models are not in an equilibrium state. So they might not give a traditional prognosis but rather an idea on general tendencies and possibilities.

More promising - and asked for by most of the authors of the current models - will be the idea to use such models as a tool to examine the consequences of regulation on gentrification. Such an approach might help to give way to new possibilities in planning as this would be a step beyond the current paradigm of only incremental, communicative and cooperative planning.